Wwoofen in der Golden Bay und das Ende in Neuseeland

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Ein Auslandsaufenthalt ist wie eine Fahrt mit der Achterbahn.

Zuerst will man unbedingt damit fahren und ist sehr fasziniert von der Vorstellung,

kann es kaum noch erwarten. Dann geht es plötzlich ganz schnell.

Man muss einsteigen und dann kommen die ersten mulmigen Gefühle.

Es folgen Hochs und Tiefs – aber das kann auch sehr schnell hin und her wechseln.

Dann steht alles vor einem Ende und man ist traurig, das es schon vorbei ist,

aber auch ein wenig stolz, dass man es durchgezogen hat

und eigentlich würde man am liebsten sitzen bleiben

und noch ein paar Runden fahren.

 

Hallo ihr Lieben,

heute gibts den letzten Neuseeland-Beitrag. Also zumindest derjenige, der über das Ende meiner Reise hier berichtet. Ob ich darüber hinaus noch was zu bestimmten Themen rund um Neuseeland schreibe, weiß ich noch nicht. Aber es wird definitiv nicht der letzte Beitrag auf diesem Blog sein, da ich ja noch nicht nach Deutschland zurückkehre und auch über meine Erlebnisse in Asien höchstwahrscheinlich etwas schreiben werde.

Also ich bin nun am Freitag (12.06.) sicher und wohlbehalten in Marahau angekommen, nachdem ich ja 6 Tage im Nationalpark unterwegs war. Die Nacht blieb ich dann dort.
Schon gegen Ende der Wanderung war mir aufgefallen, dass meine Planung immer nur bis zum Ende der Wanderung gegangen war. Ich hatte mir weder überlegt, was ich bei meiner Ankunft im Hostel dann eigentlich zum Abendbrot oder am nächsten Tag zum Frühstück essen will (Supermarkt gabs nicht in der Nähe), noch hatte ich mir so richtig überlegt, wie ich eigentlich von dort weg kommen wollte. Hingekommen war ich ja mit dem Straybus. Hatte das Ganze am Anfang abgehackt nach dem Motto: Einfach trampen, irgendeiner wird mich schon mitnehmen.
Außerdem wusste ich während der Wanderung nicht, was danach passieren wird. Wollte kein Geld ausgeben, um die letzten zwei Wochen im Hostel zu gammeln, sondern lieber noch ein letztes Mal wwoofen. Und zwar in der Golden Bay, wo ich bisher noch nicht war und eigentlich noch hin wollte.
Hatte auch eine Zusage von einem Ehepaar bekommen, allerdings hatten sie mir dann bis zum Beginn der Wanderung nicht geantwortet, als ich das genaue Datum meiner Ankunft geschrieben habe, also wusste ich nicht, ob das nun klappt oder nicht.
Als ich dann im Hostel war, konnten glücklicherweise alle Probleme gelöst werden.
Das Ehepaar hatte mir zugesagt, der Wwoofingplatz gesichert.
Wie es der Zufall wollte, war an diesem Abend ein Straybus im Hostel zu Gast, der mich dann am Morgen mit nach Riwaka genommen hat, von wo aus ich nach Takaka getrampt bin.
Gegessen habe ich meine übrig gebliebenen High-Energy-Riegel.

In Takaka hat mich dann Sue abgeholt, die zusammen mit ihrem Mann Patt etwas außerhalb der Stadt ein echt großes Grundstück haben. Das Ehepaar ist kurz vor der Rente, die Kinder sind schon lange ausgezogen und Sue hat nun einen Traum entwickelt, den sie in ihrer Freizeit zusammen mit den Wwoofern Stück um Stück umsetzen möchte.
Hinten im Gelände gibt es einen Hügel, der von Wald umringt ist und wo Wanderwege hinaufführen. Dort auf dem Hügel möchte Sue ein Cafè eröffnen. Doch dafür muss erstmal das Gelände gastfreundlich gemacht werden. So habe ich die ersten Tage die Wälder von Ästen, Zweigen, Schichten von verrottetem Laub und Gestrüpp befreit, was sich eben über Jahrzente hinweg so zwischen Bäumen in einem Wald ansammelt. Die letzten Tage (insgesamt war es eine Woche) habe ich dann aus den kleinen Wanderwegen richtige Wege gemacht, indem ich die Seiten begradigt habe, den Weg über die volle Breite auf die selbe Höhe gebracht habe und mit der dabei anfallenden Erde die Löcher ausgefüllt habe. Es ist krass, wie innerhalb von gerade einmal 3 Stunden aus einem langen Stück Waldweg ein richtig gut zu laufender Weg wird. Leider habe ich vergessen, ein Vorher Nachher Bild zu machen.

Gewohnt habe ich außerhalb des Hauses in einem ehemaligen Kühlcontainer, der entsprechend mega gut gedämmt war. Allerdings gab es keine Heizung, sodass es trotz der guten Dämmung manchmal seehr kalt war, weil es richtig kalt wurde über Nacht. Ging manchmal sogar Richtung Frost. Doch wieder hatte ich ein tolles Bett mit warmen Decken, sodass ich beim Schlafen nicht frieren musste.

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mein eigenes Reich 😀

Dennoch war es an manchen Tagen morgens so kalt, dass ich mit Pullover und Decke um den Schultern bibbernd beim Frühstück saß. Aber ich habs überlebt 😀
Und es ist erstaunlich, wie schnell es warm wird, sobald die Sonne ein paar Minuten da ist.

Gearbeitet habe ich übrigens nur ungefähr 2 Stunden am Tag, musste mir dafür mein eigenes Essen kochen, hatte also nur Unterkunft und Bad von dem Ehepaar. Dies wurde deshalb so gemacht, weil es keine festen Essenszeiten gab, da Sue Bereitschaftsärztin war und immer mal spontan weg musste, es also kaum Zeit blieb, mir auch noch was zu kochen.
Doch für mich war das absolut okay. Diese Form des Wwoofens ist ja streng genommen die fairste. Weil die normale Arbeitszeit von 5 Stunden beinhaltet eben Essen und Unterkunft, das Essen allerdings ist keine 2-3 Stunden zusätzliche Arbeit wert, zumindest bei normalem Essen nicht. Würde ich für meine Arbeit bezahlt werden, wäre ich auch immerhin fast 2 Stunden beschäftigt, bis ich genug Geld für meine Unterkunft zusammen hätte, allerdings reicht eine dreiviertel Stunde für das Essen.

Und manchmal haben sie mich zum Abendessen eingeladen, außerdem haben wir zusammen abends Rugby geschaut oder so, also sie waren schon echt großzügig und super nett.
Natürlich lag das daran, dass ich einfach grandiose Arbeit geleistet habe, was denn sonst 😀

In der Freizeit habe ich auch so einiges gemacht, hatte ja mehr davon als beim normalen Wwoofen. Da ich ja in der Golden Bay war, bin ich natürlich zum Strand gefahren, allerdings war ich diesmal nicht immer so glücklich mit dem Wetter, außerdem war es zu kalt, um auch nur ans Baden zu denken…

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Die Golden Bay

Aber dennoch war es cool, mit dem Fahrrad, welches ich mir von den beiden geliehen habe, am Strand lang zu cruisen.

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Der Sonnenuntergang ist zu erahnen

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An zwei Tagen war ich auch in der Bibliothek von Takaka, um im kostenlosen Wlan einige Sachen zu organisieren und einfach ein wenig im Internet zu surfen 🙂

Am Mittwoch bin ich dann mal mit Sue zu den Te Waikoropupū Springs (oder kurz Pupu Springs) gefahren. Dabei handelt es sich um sprudelne Quellen, die für die Maori ein heiliger Ort sind. Entsprechend ist jedes Berühren des Wassers verboten.

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Eingang zu den heiligen Quellen
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Weg zu den Quellen
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da blubbern sie 😀

 

Das Wasser gehört zu den klarsten Gewässern der Welt. Unter Wasser kann man über 60 Meter weit sehen.

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den Grund glasklar zu sehen ist kein Problem
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so klar ist das Wasser

 

Am Sonntag (21.06.) endete dann auch schon meine letzte Wwoofingstation. Ich stellte mich morgens in Takaka an den Straßenrand und war dann die nächsten 6 Stunden damit beschäftigt die etwa 240 Kilometer nach Picton zu trampen. Zwischendurch machte ich einen ungewollten Stopp in Blenheim, da das Ehepaar, welches mich mitgenommen hatte, dort zum Pferderennen wollte und mich dann dort rausgelassen hat.

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auch in Blenheim ist nun der Winter angekommen 😀

In Picton angekommen, kehrte ich ein in ein mega tolles Hostel. Es hieß Atlantis und wurde in nur wenigen Stunden zu einem meiner Lieblingshostel in Neuseeland. Einerseits schade, dass ich es erst jetzt besucht habe und nur eine Nacht bleiben konnte, auf der anderen Seite bin ich froh, es überhaupt noch entdeckt zu haben.
Alle Wände waren mit tollen Bildern bemalt, es hingen lustige Geschichten und Sprüche herum (sowas liebe ich ja 🙂 ) und es gab kostenlos Pool, es standen Schachbretter herum, Klavier und Gitarren waren zur kostenlosen Benutzung griffbereit. Dazu kam eine supernette und liebe Hostelchefin.
Und wieder einmal merke ich gerade, dass ich kein einziges Bild vom Inneren des Hostels gemacht habe. Da staune ich über die tollen Bilder an den Wänden und komme nicht auf die Idee, ein Foto zu machen. Oh man…

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der Abend in Picton

Am Abend habe ich im Hostel noch zwei andere Deutsche kennengelernt, die mir dann eigentlich noch glowworms in der Umgebung zeigen wollten, doch wir haben keine gefunden. Stattdessen kam einer auf die irrsinnige Idee, wie cool das doch wäre, bei der Kälte nachts um halb zwei im Ozean baden zu gehen. Also auf zum Strand, der zum Glück nur wenige Meter vor der Hosteltür lag. Dann rein und eine Minute (wahrscheinlich waren es nur 10 Sekunden 😉 ) später wieder raus, zum Hostel gerannt und unter die heiße Dusche gestellt.
Hahaha was für ein krasser Abschluss am letzten Abend auf der Südinsel. Super 😀

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Der nächste Morgen. Das Wetter möchte sich nochmal bei mir einschleimen…
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einfach herrlich 😀
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Piratenspielplatz 😉

 

Montag ging dann für mich die Fähre nach Wellingten. Diese war an diesem Tag eine Stunde länger unterwegs, weil wir seehr starken Wellengang hatten. Ein Glück das ich vorrausschauend eine Reisetablette geschluckt habe, sonst wäre mir aber sowas von schlecht geworden 😀

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Blick von der Fähre auf Picton

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Es beginnt die Fahrt durch die Marlborough Sounds, ein Netzwerk von Wasserwegen und Halbinseln

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die rote Version der neuseeländischen Flagge, im Hintergrund Picton
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ein letzter Blick auf Picton, dann hieß es bye bye Südinsel

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das offene Meer beginnt
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und die Wellen werden immer…
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…heftiger
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es wurde sehr turbulent 😀 (obwohl es doch recht harmlos aussieht 😉 )

 

In Wellington ging es für eine kurze Nacht ins Hostel, bevor mich mein Wecker Dienstag morgen um 5.20Uhr aus dem Schlaf klingelte. Ich packte mein Zeug zusammen und stapfte zum Straybus, der sich dann 6.30Uhr auf den Weg nach Auckland machte.

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Na?
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könnt ihr euch an diese Berge noch erinnern?
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Bei diesen Vulkanen fand das Tongariro Crossing statt. Diesmal liegt etwas mehr Schnee oben drauf 😀

 

Nach einem Lunchstopp in Taumarunui sind wir auch sicher und mit fast 10 Stunden Busfahrt in den Knochen auf der anderen Seite der Nordinsel in Auckland angekommen. Dort checkte ich ins YHA Hostel ein, womit die letzten Tage meines Neuseelandaufenthaltes begannen.

Den vorletzten Tag bummelte ich einfach durch die Stadt, schaute in diversen Läden vorbei und organisierte noch letzte Sachen.

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wenn neben dir einfach mal ein Lamborghini vorbei fährt weißt du, dass du wieder in Auckland bist 😀

 

Außerdem traf ich mich mit Marcos und seinem Sohn Benjamin. Marcos war mit seiner Frau Sabine vor 11 Jahren aus Deutschland ausgewandert. Dort waren sie in Jerichow gute Freunde meiner Tante Elisabeth und deren Familie geworden. Sie hatte mir dann vor meiner Abreise die Adresse der beiden gegeben. Nun, wo ich noch ein paar letzte Tage in Auckland war, wollte ich noch die Gelegenheit nutzen, bei den beiden vorbeizuschauen. Sabine allerdings war zufällig gerade in Deutschland, doch Sohn Benjamin war da. Zu dritt gingen wir zu einem sehr leckeren Inder und es wurde ein sehr unterhaltsamer Abend.

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Benjamin (15) und ich 🙂

Am letzten Tag hab ich dann wirklich das allerletzte Zeug gemacht, wie zum Beispiel ein Busticket zum Flughafen für den nächsten Tag gekauft. Den Rest hab ich dann gechillt, habe einem Neuankömmling mit Rat und Tat geholfen, einen guten Einstieg ins neuseeländische Reisen zu bekommen und war nochmal ein letztes Mal in der Innenstadt Aucklands und dann war der letzte Tag auch schon vorrüber.

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ein letzter Blick auf Aucklands Straßen

Am Freitag (26.06.) hieß es dann Sachen packen, zum Flughafen fahren und dann verließ ich mit dem Flieger Neuseeland.

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am Flughafen in Auckland
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die Küste Neuseelands
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Über den Wolken…

 

Damit endet das Abenteuer Neuseeland, es war eine tolle Zeit, ich habe richtig gute Freunde kennengelernt und so unglaublich viele verschiedene Menschen getroffen. Und eigentlich habe ich jeden einzelnen Tag sehr genoßen, auch wenn es mal nicht ganz so rund lief. Aber das muss wohl dazu gehören, sonst wäre es ja auch nur halb so aufregend 🙂

Nun werde ich noch ein bisschen in Asien rumdüsen und dann freue ich mich darauf, euch im August wiederzusehen.

Bis dahin machts gut,
euer Arvid

 

PS: Nun ist die Neuseelandkarte fertig. Dort könnt ihr sehen, wo ich mich alles in den 9 Monaten herumgetrieben habe. Einfach oben im Menü auf ‚Karte‘ klicken.

 

„And I think to myself
what a wonderful world.“

– Louis Armstrong

 

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