Tongariro Alpine Crossing

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Hallo ihr Lieben,

wie im letzten Artikel schon vorweggenommen, ging es mit dem Straybus von Taupo aus direkt in die Blue Duck Lodge, am Rande des Whanganui Nationalpark. Und wie gesagt gab es hier kein Netz, also wirklich im gesamten Gebiet nicht, da half es auch nicht, auf einen Berg zu steigen oder 2Km durch den Wald zu laufen.

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auf dem Weg ins Nirgendwo

Aber ich benutze das Handy eigentlich eh nur für Whatsapp, Mails können meistens einige Tage bis Wochen warten und bei Nachrichten und News bin ich schon lange abgehängt, eher noch beim Sport auf dem neueren Stand (Bayern ChampionsLeague beim Frühstück schauen z.b. 😀 ), aber bei Politik bin ich nicht mehr hinterher, dafür hat man hier einfach anderes im Kopf… Lediglich ein paar Finanznews bekomme ich mit, schau mir ab und zu mal den Dax an und in dem Zusammenhang bekommt man ja immer mal mit was z.b. so mit Griechenland los ist. Naja ist ja auch egal, ich hatte jedenfalls kein Netz, basta!
Abends gabs dann eigentlich nicht viel, es wurde getrunken und gelacht und am Feuer gesessen.

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angekommen im Nirgendwo
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gemütliche Feuerstelle
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rechts die Feuerstelle, links die Schlafräume

 

Ich hatte mir übrigens vor dem Einsteigen in den Bus ein Vorhaben gesetzt. Nur Englisch sprechen! Egal ob Deutsche dabei sind oder nicht. Was habe ich für Augen gemacht als ich erfuhr, dass von den 20 Leuten etwa 14 Deutsche waren. Na super, das wird ein Spaß 🙂 . Dennoch habe ich mein Vorhaben durchgezogen und versucht, mit allen nur Englisch zu sprechen. Leider haben einige nur deutsch mit mir geredet, nachdem sie hörten, das ich deutsch spreche. Aber dann haben wir eben in zwei Sprachen gleichzeitig geredet, ich Englisch, er deutsch. Viele haben sich aber darauf eingestellt und haben dann auch Englisch mit mir gesprochen.
Ich finde, wenn du es von Anfang an durchziehst, dann ist es nach einiger Zeit auch nicht mehr komisch, wenn du zu viert in einer Gruppe stehst, alle reden deutsch und wenn ich mich ins Gespräch einklinke, rede ich Englisch und die meisten wechseln dann auch zu Englisch. Habs leider nicht bei allen bis zum Ende durchgehalten, weil der eine z.b. konsequent mit mir deutsch geredet hat und wenn wir zu zweit waren, hab ich dann auch mal deutsch geredet. Aber ich fand es eher lustig als peinlich, wenn ich meinen Senf in Englisch dazugegeben habe und einige die Augen verdreht haben („Du mit deinem Englisch…“). Natürlich könnte man sagen, warum Englisch reden, wenn alle Deutsch können? Natürlich ist einer der wichtigsten Gründe, dass ich mein Englisch verbessern will/muss. Aber ein fast noch wichtigerer Grund ist das offene Gespräch. Wir hatten nämlich auch Engländer und Schweden dabei und wenn die von Ferne gehört haben, dass alle deutsch sprechen, sind sie unter sich geblieben. Wenn wir aber Englisch geredet
haben, konnten sie sich spielend leicht ins Gespräch einklinken und waren Teil der Gruppe. Und ich finde es selber ja auch nicht so toll, wenn die Franzosen immer nur französisch reden. Da fühlt man sich halt als Aussenseiter. Und der Kommentar, man könne ja wechseln, wenn ein Engländer oder so in Sicht ist, ist Quatsch, denn man gewöhnt sich viel zu schnell an, immer auf deutsch zu reden, sodas man dann oftmals zu bequem ist, sofort immer zu wechseln. Zumindest machen es die Wenigsten.
Ich fand es auf jeden Fall eine tolle Erfahrung und werde es wohl versuchen beizubehalten, wenn ich in den nächsten Bus einsteige… mal sehen wie es wird, wenn dann auch Max dazusteigt…
Oder ich setze endlich mal mein Vorhaben um und sage allen, ich komme aus China. Das hatte ich mir mal am Anfang vorgenommen, aber noch kein einziges Mal in die Tat umgesetzt…
So nun aber zurück zum Ohne-Netz-Ort. Wie bei Straybus typisch, gab es auch hier am nächsten Tag zahlreiche Aktivitäten. Unter anderem Jagen, Kayak fahren, Reiten oder mit nem Quat-ähnlichen Fahrzeug die Gegend unsicher machen. Allerdings hat mich das alles nicht so wirklich gereizt (das Fahrzeug konnte man nicht selbst fahren), außerdem schweineteuer. Daher entschied ich mich für die kostenlose Variante: Relaxen und auf eigene Faust bzw. eher auf eigenen Füßen die Gegend erkunden. Das war nicht nur kostenlos, sondern war auch ein gutes Training für das Tongariro Alpine Crossing, welches ich am Sonntag (19.04.) gemacht habe. Dazu gleich mehr!
Ziel der kleinen Wanderung war ein Wasserfall, der in etwa 5km Entfernung darauf wartete, erkundet zu werden. Der Weg dahin war sehr schön und auch der Wasserfall war echt okay… Wasserfall halt 😀

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wahrscheinlich von den ersten Siedlern…
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Urwald und Fluss
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gemütlicher Wanderweg
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Wasserfall…
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…von oben…
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Treppe nach unten
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hier hat man echt seine Ruhe
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Wasserfall von unten
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Pilz… waren blaue Pilze die gesunden oder die giftigen?

Dann war es am Sonntag so weit. Das berühmte Tongariro Alpine Crossing stand an. Dies ist eine Wanderung zwischen bzw. über aktive Vulkane. Also keine wo flüßiges Magma langfließt, aber es raucht und sie können jeden Augenblick ausbrechen… Diese Wanderung ist die Nummer eins der One-Day-Walks in Neuseeland (also Wanderungen, die an einem Tag schaffbar sind) und unter den Top 10 der Welt. Die Gesamtlänge beträgt 19,4 Km, wenn man den normalen Weg läuft.

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Diesen Berg werden wir nicht besteigen…
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…sieht aber gut aus 😀
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Kilometer 0… die Reise kann beginnen
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die Wanderung beginnt
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links vom größten Vulkan soll es hoch gehen…
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der Blick von oben runter (stehe auf der Bergkette links vom Vulkan)
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der Beweis, dass ich auch da war 😛

Es gibt allerdings auch noch die Möglichkeit, den Weg etwas zu verlängern, indem man etweder den größten Vulkan (siehe Bilder davor) besteigt oder oben auf nächsthöheren Bergkette abbiegt (man läuft oben auf der Bergkette durch ein ebenes Gebiet, bevor man wieder hochsteigt) und den Mt. Tongariro besteigt (etwa 3Km oben drauf). Einer aus unserer Gruppe ist auch tatsächlich auf den größten Berg… ich aber war cleverer 😛 Denn wenn du den größten und mächtigsten Berg besteigst, dann ist er ja nicht auf deinen Fotos drauf. Also musst du den zweitgrößten besteigen und dann hast du im Hintergrund immer den größten drauf 😀

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Da oben links werd ich mich entscheiden müssen, ob ich zum Mt. Tongariro laufe
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Blick von halb oben zurück (hinten in der Mitte ist das Foto von mir oben entstanden)

Als ich oben auf der nächsthöheren Bergkette ankam, waren wir mitten in einer Wolke oder Nebel oder sowas, keine Ahnung was es genau war, vielleicht ja auch Rauch aus den Vulkanen 😉
Jedenfalls war der Anblick nicht so berauschend, trotz eigentlich guten Wetters. Bei Regen kann es nämlich auch sehr unangenehm werden, 20Km über nen Berg zu klettern. Auf jeden Fall hab ich gedacht, wäre ärgerlich, wenn ich auf den Gipfel steige und da ist auch Wolke, dann wäre der zusätzliche Aufwand für die Katz.

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abenteuerliche Wanderung…
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…da man keine zehn Meter weit sehen kann

 

Doch die Gelegenheit war einmalig und so entschied ich mich zusammen mit einem anderen (alle anderen wollten da nicht hoch), da hoch zu stapfen. Und wir wurden hundertfach belohnt. Die Aussicht hat alles andere der gesamten Tour getoppt und im Nachhinein waren viele ziemlich neidisch. Denn nach etwa 500Meter ist man aus der Wolke herrausgestiegen und war dann über den Wolken 😀

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der Nebel lichtet sich
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über den Wolken…
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…ist die Freiheit…
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…grenzenlos!
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Blick vom Mt. Tongariro mit Vulkan im Hintergrund 😉
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und nochmal mit mir (war ziemlich frisch da oben)

Ok ich gebe zu das Bild mit dem Schnee ist etwas gefaket, weil da glaube nur 20qm Schnee weit und brei lagen und ich genau so fotografiert habe, dass es nach einem schneebedeckten Berg aussieht 😛 Aber immerhin habe ich mal Schnee angefasst, nachdem ich ja über Weihnachten und Silvester sommerliche Temperaturen hatte 🙂

Dann kam der berühmte Teil der normalen Tour, nämlich farbige Seen. Doch hier hatte ich leider wenig Glück, denn nach der Rückkehr vom Mt. Tongariro war der Nebel immer noch da und die Aussicht auf die Seen daher seeehr bescheiden…

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grüner See… naaaaja
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Weg zum blauen See
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blauer See… zumindest theoretisch…
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Du betrittst die aktive Vulkan Gefahren Zone!
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Du bist in der aktiven Vulkan Gefahren Zone. Mache so wenig Stopps wie möglich!
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ohne die Wolkendecke wäre die Aussicht unschlagbar…
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dennoch gute Sicht…
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Panorama
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Licht bahnt sich den Weg zur Erde

Und wer dachte, am Fuße des Berges, wenn man einige Kilometer duch Graslandschaft gestiefelt ist, das es nun zu Ende ist, der kennt Neuseeland nicht richtig. Denn eine Tour durch Vulkane hindurch, an Seen vorbei und durch Grassteppen wäre nicht in Neuseeland, wenn am Ende nicht auch ein wenig Urwald dabei ist.

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das letzte Stück ging durch den Urwald

Zum Schluss hab ich dann sogar noch Joline getroffen, mit der ich die Tour eigentlich zusammen machen wollte, allerdings war die Abstimmung etwas schwierig ohne Netz, sodass wir zu unterschiedlichen Zeiten losgelaufen sind.

War übrigens froh, meine Wander-/Winterschuhe dabei gehabt zu haben, so hab ich mir 15$ fürs Ausleihen gespart. Oder ich hätte mit meinen Turnschuhen durch den Dreck stapfen müssen, da hatte ich auch nicht so Bock drauf.

Haben übrigens insgesamt für die 22,4 Kilometer 6.5h gebraucht, also mit Pausen und allem. Bin ich echt zufrieden 🙂

Wer sich beim Anschauen der Bilder an Herr der Ringe und Hobbit erinnert fühlt liegt richtig. Hier wurden einige der Szenen gedreht. Sei es auf den Graslandschaften oder die Vulkanszenen von Mordor.

Abends ging es dann in ein Hotel!!! Ja ihr lest richtig. Allerdings gab es in diesem Hotel billige Massenräume für Backpacker, sodass der Preis dem normalen Hostelpreis entsprach. Doch wir Glückspilze kamen ausgerechnet an einem Wochenende, wo lauter Schulklassen die Räume besetzten. Tja da musste uns das Hotel alternativ in die richtigen Räume stecken. Für den selben Preis natürlich 😀
Hab glaube noch nie in so einem geilen Bett geschlafen. War als erster im Zimmer und hab mir gleich mal das einzige Doppelbett (Viererzimmer) geschnappt. Ein fettes Doppelbett ganz für mich alleine 😀 und dann gings ab in den Whirlpool, der draußen im Innenhof stand und mit seinen 38Grad die müden Muskeln einlud, hineinzuspringen.
Ein wundertoller Ausgang eines der besten Tage, die ich in 2015 bisher erlebt habe.

Am nächsten Tag, Montag (20.04.) sollte es dann weitergehen in die große Hauptstadt Wellington. Doch dazu nächstes Mal mehr.

Seid lieb gegrüßt,
euer Arvid

2 Responses

  1. Stephan

    Lieber Arvid,

    zugegeben: ich dachte zunächst beim Bild vom Pilz eher ans Schlumpfenland. Aber Hobbit ist bestimmt auch ganz schön, leider noch eine Bildungslücke meinerseits.
    Auf jeden Fall sind die Landschaften mächtig beeindruckend. Und wenn das nicht für das fehlende Netz entschädigt…

  2. Hannah Aegerter

    Unglaublich tolle Bilder. Es muss beeindruckend gewesen sein, ich bin etwas neidisch 😉
    Über Vulkane klettert man nicht alle Tage!
    Ich stimme dir übrigens absolut zu mit dem Englischreden. Haben die letzten Tage andere Freiwillige getroffen, mit denen wir heftige Diskussionen führten, weil sie nur deutsch redeten. Ich finde das sehe unhöflich, wenn anderssprachige anwesend sind. Bei uns ist die Goldene Regel: Immer Englisch reden, wenn andere im Raum sind (auch wenn augenscheinlich nicht Anteil des Gesprächs). Denn ich kenne das Gefühl, wenn alle ihe Sprache reden und du ein Außenseiter bist. Also bemühen wir uns, andere nicht in dieselbe Situation zu bringen. Finde ich gut, dass du das auch machst und hoffe, du versuchst es beizubehalten. Vllt mag Max ja mitmachen, schon alleine um euer Englisch zu perfektionieren! 🙂
    Ich drücke dich aus der Ferne, Hannah

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